OpenAI hat angekündigt, ChatGPT Ads auf 26 weitere Länder auszuweiten. Mehr als 100.000 Werbetreibende haben die Plattform demnach bisher genutzt. Das Unternehmen beschreibt die Zielgruppe als Menschen, die in ChatGPT „stöbern, vergleichen und entscheiden, was sie kaufen möchten“. Das ist eine höfliche Umschreibung dafür, dass der Chatbot, den man nach Laufschuhen fragt, jetzt auch ein Ort ist, an dem Schuhfirmen gern ein Wörtchen mitreden würden.
Was OpenAI tatsächlich gesagt hat
Die Ankündigung enthält nur wenige Details, und das gilt auch für diesen Artikel. Es war nur eine Zusammenfassung verfügbar, die zwei harte Fakten und ein Verkaufsargument enthält.
- 26 neue Länder. ChatGPT Ads weitet seine geografische Präsenz um diese Zahl von Ländern aus.
- Über 100.000 Werbetreibende. So viele haben die Plattform bislang genutzt. Die Zusammenfassung sagt nicht, in welchem Zeitraum oder wie viele davon aktuell aktiv sind.
- Alle sind eingeladen. OpenAI stellt das Angebot als offen für Werbetreibende „von lokalen Unternehmen bis hin zu globalen Marken“ dar.
Das Verkaufsargument: Einkaufen, aber im Dialog
Interessant ist dabei, wie OpenAI das Angebot positioniert. OpenAI beschreibt ChatGPT nicht als einen Ort, an dem man gesehen wird. Stattdessen beschreibt das Unternehmen den Dienst als einen Ort, an dem Menschen mitten in einer Kaufentscheidung stecken: Sie erkunden Optionen, vergleichen sie und treffen eine Wahl.
Das ist der kommerziell wertvollste Moment auf dem Weg eines Kunden zum Kauf, und Werbetreibende haben schon immer viel Geld dafür gezahlt, dabei präsent zu sein. Suchmaschinen haben auf derselben Idee ein Imperium aufgebaut. Der Unterschied ist hier, dass der Vergleich in einem Gespräch stattfindet und nicht auf einer Seite mit Links.
Was die Zusammenfassung offenlässt
Einige Fragen werden im verfügbaren Material nicht beantwortet, deshalb werde ich darüber nicht spekulieren:
- Welche 26 Länder dazugehören.
- Welche Anzeigenformate Werbetreibende buchen können und wie Anzeigen in einem Chat gekennzeichnet werden.
- Wie die Preisgestaltung funktioniert.
- Ob die Zahl von 100.000 zahlende Konten, gestartete Kampagnen oder etwas weniger klar Definiertes meint.
Diese Fragen sind wichtig. Die Zahl der Werbetreibenden, die eine Plattform „genutzt“ haben, ist von vornherein eine schmeichelhafte Kennzahl, weil sie alle erfasst, die einmal vorbeigeschaut haben, und nicht misst, wer geblieben ist.
Das Fazit
Die überprüfbare Nachricht ist überschaubar: eine größere geografische Präsenz und eine runde, beeindruckend klingende Zahl an Werbetreibenden. Die strategische Bedeutung ist größer. OpenAI behandelt Werbung als ein Produkt, das international skaliert werden soll, nicht als ein Experiment, über das man lieber schweigt. Für Marketingverantwortliche außerhalb der bisherigen Märkte könnte die Wartezeit kürzer ausfallen als erwartet. Für Nutzer ist die eigentliche Bewährungsprobe, ob eine hilfreiche Antwort und eine bezahlte Platzierung klar voneinander unterscheidbar bleiben – und das kann keine Pressezusammenfassung klären.