Figma hat gerade 20 Partner für ein Protokoll aufgenommen, das der eigene Mitgründer als nicht perfekt bezeichnet. Auf der ersten Config-Konferenz des Unternehmens in Indien stellte Figma die neuen Partner für das Model Context Protocol (MCP) vor, während Dylan Field gegenüber Reportern erklärte, bei MCP gebe es „jede Menge Verbesserungspotenzial“. Einen Standard stärker zu unterstützen, an dem man offen zweifelt, ist eine ungewöhnliche, aber durchaus vertretbare Position.
Was Figma tatsächlich angekündigt hat
MCP ist ein Open-Source-Standard, der festlegt, wie sich KI-Agenten mit externen Datenquellen und Tools verbinden. Figma weitet seine Unterstützung dafür aus, und auf der Liste der neuen Partner stehen Coding-Agenten, Produktivitäts-Apps und Modellentwickler.
Die vom Unternehmen genannten Namen:
- Coding- und Agenten-Tools: Amp, Junie by JetBrains und OpenCode
- Apps für Arbeit und Planung: ClickUp, Linear und Notion
- Browser, Modelle und Agenten: Dia, Meta Muse, Mistral und Sarvam Agents
Das sind zehn Namen, die vollständige Liste umfasst jedoch zwanzig. Der Bericht nennt nur die zehn oben aufgeführten ausdrücklich.
Der Streit im Vorfeld
Die Ankündigung kam in einer ohnehin unruhigen Nachrichtenlage. Einer der Mitentwickler von MCP hatte sich öffentlich darüber beschwert, dass Figma das Open-Source-Tool Pi nicht unterstütze. Field antwortete auf X – und beließ es nicht bei einem schlichten „Berechtigter Einwand“.
Er drehte die Frage um und wollte wissen, warum Anthropic, der Urheber des MCP-Standards, seine Artefakte und anderen Cloud-Ressourcen nicht über MCP zugänglich macht. Sein Beitrag ist auf den 30. September 2026 datiert. Darin schrieb er, die Debatte werde meist als Gegensatz zwischen offen und geschlossen dargestellt, alle bevorzugten „natürlich“ Offenheit, und währenddessen würden „Probleme des asymmetrischen Kontextaustauschs ignoriert“.
Das war eine höfliche Art zu sagen, dass sich Offenheit leichter von den Produkten anderer Leute fordern lässt. Field fügte hinzu, möglicherweise übersehe er etwas – ein Vorbehalt, der niemanden täuschte, aber den Umgangston höflich hielt.
Später ergänzte er, dass Figma die Unterstützung von Pi plane. Damit wird der ursprünglichen Beschwerde also Rechnung getragen – zumindest nach dem angekündigten Plan.
Was Field vor Ort sagte
Bei einem Pressegespräch wurde Field auf den Austausch angesprochen. Seine Antwort war offen und bestand aus drei Teilen.
Er ist für mehr Offenheit. Er sagte, er sei begeistert davon, wie Figma sein Ökosystem öffnet, und wolle, dass alle, die einfach ein Protokoll für ihre Figma-Daten brauchen, es nutzen.
Er ist vom Protokoll nicht überzeugt. Nach seinen Worten ist MCP kein perfektes Protokoll und bietet viel Verbesserungspotenzial. Er sagte auch, es „begünstige vor allem führende KI-Labore“, was seinen früheren Punkt zum asymmetrischen Kontextaustausch aufgreift. Im Klartext: Die größten KI-Labore profitieren stärker von dem Standard als die Unternehmen, deren Daten darüber fließen.
Er hat einen Grund, sich zurückzuhalten. Figma wolle sich nicht vollständig öffnen, sagte er, denn je mehr Daten es über MCP zugänglich mache, desto größer sei die Missbrauchsgefahr. Er ergänzte, dass die meisten Nutzer weder MCP noch Figma-Daten missbrauchen wollten, das Unternehmen sich aber trotzdem auf diejenigen einstellen müsse, die das möglicherweise doch tun.
Der zugrunde liegende Zielkonflikt
Hier besteht ein Spannungsverhältnis, das keine der beiden Seiten einfach wegwünschen kann. Offene Standards sind beliebt, weil sie Hürden abbauen. Solche Hürden halten jedoch auch viel Fehlverhalten in Schach. Jede weitere Tür, die eine Designplattform für Agenten öffnet, ist eine Tür, die jemand missbrauchen kann.
Fields Position ist sorgfältig austariert. Den Standard unterstützen, Partner aufnehmen, Pi-Unterstützung zusagen und zugleich die Kontrolle darüber behalten, wie viele Daten tatsächlich darüber fließen. Kritiker werden das als selektive Offenheit bezeichnen. Field würde vermutlich von Risikomanagement sprechen. Beide Beschreibungen können gleichzeitig zutreffen.
Auch der Verweis auf Anthropic ist ein berechtigter Seitenhieb, wenn auch ein bequemer. Wenn ein führendes KI-Labor ein Protokoll entwickelt, seine eigenen Cloud-Ressourcen aber nicht darüber zugänglich macht, drängt sich genau die Frage auf, die Field gestellt hat. Der Bericht enthält keine Antwort von Anthropic.
Worauf es jetzt ankommt
- Pi-Unterstützung: Field sagte, Figma plane sie, nannte im Bericht aber keinen Termin.
- Wie viele Daten fließen: das Unternehmen hat angekündigt, die Datenfreigabe zu begrenzen, aber nicht erklärt, wie.
- Die Frage nach den führenden KI-Laboren: ob sich das Protokoll so weiterentwickelt, dass es das von Field beschriebene Ungleichgewicht ausgleicht.
Vorerst hat Figma den unbequemen, aber ehrlichen Weg gewählt: sich einem Standard anzuschließen und gleichzeitig öffentlich dessen Schwächen aufzuzählen. In einem Umfeld, in dem jede angekündigte Integration als Meilenstein bezeichnet wird, ist das fast schon erfrischend.