SpaceX ist im selben Sinne ein Raketenunternehmen wie Amazon eine Buchhandlung. Im Bericht zum dritten Quartal entfielen 52 % der Einnahmen auf künstliche Intelligenz, und die Führungskräfte sprachen ebenso lange über Stromversorgung und Kühlung wie über Trägerraketen. Die Raketen gibt es noch. Sie spielen nur nicht mehr die Hauptrolle.
Die Zahlen in Kürze
SpaceX meldete am Dienstag für das dritte Quartal einen Umsatz von 14,6 Milliarden Dollar, wie aus den bei der Aufsichtsbehörde eingereichten Unterlagen hervorgeht. Alle Segmente trugen zum Wachstum bei, doch die größte Aufmerksamkeit zog eine Geschäftssparte auf sich, die nun „Super Intelligence“ heißt.
Diese Sparte brachte 7,5 Milliarden Dollar ein. Sie bündelt drei Bereiche: das kürzlich übernommene Programmierwerkzeug Cursor, den Grok-Bot und ein schnell wachsendes Neocloud-Geschäft, das inzwischen über 1,7 GW Rechenkapazität verfügt. Die Neocloud ist der Teil, den das Unternehmen als den wichtigsten betrachtet.
Das KI-Geschäft erwirtschaftete einen Gewinn von 431 Millionen Dollar. Es wäre mehr gewesen, wären da nicht einmalige aktienbasierte Vergütungen von 1,2 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit der Übernahme von Cursor gewesen. Ein Unternehmen zu kaufen ist günstig im Vergleich dazu, all die Leute zu bezahlen, die man damit übernimmt.
Die wichtigsten Zahlen für das Gesamtunternehmen:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Q3-Umsatz | 14,6 Milliarden Dollar |
| Umsatz von Super Intelligence | 7,5 Milliarden Dollar |
| Gewinn von Super Intelligence | 431 Millionen Dollar |
| Q3-Nettogewinn | 4,4 Milliarden Dollar |
| Q3-Nettogewinn im Vorjahr | 1 Milliarde Dollar Verlust |
| Nettoergebnis nach neun Monaten | 413 Millionen Dollar Verlust |
| Q3-Investitionsausgaben | 19,6 Milliarden Dollar |
| Starlink-Abonnenten im Privatkundengeschäft | 13,6 Millionen |
Ein Gewinn mit Sternchen
Der Umschwung von einem Verlust von 1 Milliarde Dollar vor einem Jahr zu einem Nettogewinn von 4,4 Milliarden Dollar ist real. Er verdient allerdings einen genauen Blick.
Der Umsatz wurde durch rund 1 Milliarde Dollar im Zusammenhang mit der Erholung des Bitcoin-Kurses sowie durch nicht näher erläuterte Erträge aus Geschäften mit nahestehenden Parteien gestützt. Der zweite Posten könnte auf eine Beteiligung von SpaceX an einem anderen Unternehmen zurückgehen, allerdings lässt sich das aus der vorliegenden Darstellung der Unterlagen nicht eindeutig ablesen. Ein Quartal, das von der Laune des Bitcoin-Kurses und einem nicht näher ausgewiesenen Posten aus Geschäften mit nahestehenden Parteien abhängt, ist nicht ganz dasselbe wie ein Quartal, das allein von operativer Stärke getragen wird.
Das Bild für das bisherige Jahr ist nüchterner. Über die ersten neun Monate weist SpaceX weiterhin einen Nettoverlust von 413 Millionen Dollar aus. Das Unternehmen muss also noch einiges aufholen, wenn es das Gesamtjahr profitabel abschließen will.
Dem Bericht zufolge fiel die Profitabilität außerdem höher aus als von Anlegern erwartet. Konsensschätzungen nennt er nicht; wie deutlich die Erwartungen übertroffen wurden, lässt sich anhand des verfügbaren Materials daher nicht beurteilen.
Die Rechnung für all die Rechenleistung
SpaceX gab im Quartal 19,6 Milliarden Dollar für Investitionen aus. Das Geld fließt in ein zweites Rechenzentrumsprojekt, Colossus II, sowie in Starship, die Schwerlastrakete, die das Unternehmen für unverzichtbar hält, um eine neue Generation von Starlink-Satelliten ins All zu bringen und Rechenzentren im Orbit aufzubauen.
Das nächste Quartal dürfte noch teurer werden. Finanzchef Bret Johnsen sagte, SpaceX werde im vierten Quartal 35 bis 40 Milliarden Dollar für neue Investitionen ausgeben. Das ist fast doppelt so viel, wie das bereits äußerst aktive dritte Quartal erforderte.
Musk über den eigentlichen Engpass
Elon Musk sagte, er verbringe vier Tage pro Woche in Memphis, Tennessee, wo Colossus II in Betrieb genommen wird. Das ist ein beträchtlicher Teil des Terminkalenders für einen Konzernchef, der auch Raketenstarts verantwortet.
Sein Argument lautet, dass Chips nicht der wichtigste Engpass beim Einsatz von Superintelligenz sind. Stromversorgung, Kühlung und Infrastruktur sind es. Er sagte, er habe ein Team von SpaceX-Ingenieuren damit beauftragt, das Problem zu lösen, und verglich die Situation damit, dass „die New York Yankees in der Little League spielen“. Seiner Darstellung zufolge ist das nicht fair, erlaubt es SpaceX aber, Infrastruktur für Stromversorgung und Kühlung weitaus schneller bereitzustellen als jeder andere.
Das ist eine Behauptung über das Tempo des eigenen Unternehmens, vorgebracht von dessen Chef, und die Zusammenfassung der eingereichten Unterlagen liefert nichts, woran sie sich überprüfen ließe. Dennoch erklärt sie, warum ein Raketenunternehmen glaubt, bei Rechenzentren einen Vorsprung zu haben. Schwere Dinge zu bewegen und thermische Probleme zu lösen, ist, grob gesagt, sein Handwerk.
Starship ist weiterhin mit von der Partie
Die Rakete ist nicht in Vergessenheit geraten. Musk sagte, beim nächsten Starship-Testflug, der im November erwartet wird, wolle man versuchen, sowohl den Booster der ersten Stufe als auch die zweite Stufe zu bergen. Beide aufzufangen wäre ein „gewaltiger technologischer Meilenstein“, sagte er, auch wenn der eigentliche Meilenstein darin besteht, beide Stufen erneut fliegen zu lassen.
Starlink zählt unterdessen 13,6 Millionen Abonnenten im Privatkundengeschäft. Musk prognostizierte, dass die Verbreitung von KI-Agenten die Nachfrage nach Konnektivität weiter steigern werde. Es ist eine stimmige Erzählung, in der das KI-Geschäft den Bedarf verkauft und das Satellitengeschäft die Leitung dazu.
Die Prognosen
Hier wechselt der Ton von der Rechnungslegung zum Ehrgeiz.
- Musks gewagte Prognose: Er sagte voraus, dass der jährlich wiederkehrende Umsatz von SpaceX, getrieben von der Sparte Super Intelligence, bis Ende 2027 auf „irgendwo zwischen 500 Milliarden und 1 Billion Dollar“ steigen werde. Die Spanne ist so groß, dass sich nahezu jedes Ergebnis außer einer Katastrophe noch darunter einordnen ließe.
- Johnsens Ausblick: Ein Gesamtumsatz von 33 bis 37 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2027. Das ist eine konkrete Zahl und wäre mehr als das Doppelte der 14,6 Milliarden Dollar dieses Quartals.
Die beiden Prognosen nebeneinander zu lesen ist aufschlussreich. Die eine ist eine Zahl, die ein Finanzchef im Berichtszyklus verteidigen muss. Die andere ist eine Zahl, an der sich ein Gründer nach Belieben erfreuen darf.
Was davon zu halten ist
Unterm Strich präsentiert SpaceX seine Zahlen inzwischen wie ein KI-Infrastrukturunternehmen, das nebenbei auch Raketen startet. Die Hälfte seiner Einnahmen stammt aus KI, seine Investitionsausgaben stehen vor einem Sprung, und sein Chef lebt in Memphis, um ein Rechenzentrum ans Netz zu bringen.
Ob das klug ist, hängt von Fragen ab, die der Bericht offenlässt: welcher Anteil des Quartalsgewinns von 4,4 Milliarden Dollar wiederkehrend ist, was die KI-Sparte verdient, wenn die einmaligen Kosten wegfallen, und ob sich Quartalsausgaben von 35 bis 40 Milliarden Dollar im versprochenen Zeitrahmen in Umsatz verwandeln. Vorerst hat das Unternehmen ein profitables Quartal, ein verlustreiches Jahr und ein Billionen-Dollar-Ziel vorzuweisen. Die Anleger dürfen entscheiden, welcher dieser drei Punkte auf die Präsentationsfolie kommt.