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YouTube Music kennzeichnet Songs als „Mit KI erstellt“, lässt sie aber weiter Geld verdienen

YouTube Music kennzeichnet Tracks, die überwiegend mit generativer KI erstellt wurden – zunächst in der eigenen App. Anders als Deezer oder Bandcamp setzt der Dienst auf Offenlegung statt auf Einschränkungen.

YouTube hat entschieden, dass ein Aufkleber die Lösung für die Flut KI-generierter Musik ist. Ab Mittwoch tragen Tracks auf YouTube Music, die mit KI „verändert oder vollständig generiert“ wurden, auf der Wiedergabeseite ein „Mit KI erstellt“-Label. Der Song bleibt genau dort, wo er war: Er kann gestreamt, empfohlen und grundsätzlich auch monetarisiert werden.

Der Ansatz ist bewusst zurückhaltend. Andere Plattformen setzen auf Filter, Verbote und Abzüge bei Tantiemen, YouTube auf einen Hinweis.

Was das Label abdeckt

Das Label soll nicht jeden Musiker erfassen, der irgendwann einmal ein KI-Tool angefasst hat. YouTube zufolge gilt es für Tracks, die überwiegend mit generativer KI erstellt wurden. Als Beispiel nennt das Unternehmen „die Verwendung eines generativen Modells zur Erstellung der Komposition und des Gesangs“. Wer auf der Wiedergabeseite auf das Label tippt, bekommt in einem kurzen Menü weitere Informationen dazu, welche Rolle KI dabei gespielt hat.

Die Einführung beginnt in der YouTube Music-App. Die reguläre YouTube-App soll folgen, allerdings nennt keiner der beiden Berichte dafür ein Datum.

YouTube gibt an, mit Musikpartnern zusammenzuarbeiten und eigene Erkennungstools einzusetzen, um KI-generierte Tracks zu identifizieren. Außerdem wende es dieselben Kennzeichnungsgrundsätze an, die bereits für Videos gelten. Erklärtes Ziel ist es, den Hörern „die richtigen Informationen und Klarheit“ darüber zu geben, was sie hören.

Wie Künstler und Labels die Nutzung offenlegen sollen

Das System beginnt mit Ehrlichkeit – ein charmant optimistischer Ausgangspunkt. Musikpartner, die Inhalte über YouTube hochladen, werden gebeten, die Nutzung generativer KI mit einer von drei Einstufungen anzugeben:

  • Vollständig mit generativer KI erstellt ist für Tracks vorgesehen, die vollständig von KI generiert wurden.
  • Teilweise mit generativer KI erstellt umfasst Werke, bei denen ein Künstler KI-generierte Komponenten verwendet, aber eigene live eingespielte Elemente hinzugefügt hat.
  • Ohne generative KI ist die Kategorie, zu der auch Tracks gehören, die mit Tools zur Tonhöhenkorrektur wie Auto-Tune bearbeitet wurden.

Der letzte Punkt ist wichtiger, als er auf den ersten Blick scheint. Eine seit Jahrzehnten gängige Studiopraxis wird ausdrücklich nicht als generative KI behandelt, was zumindest einem großen Teil der Popmusik eine unangenehme Diskussion erspart.

Wenn ein Partner die Nutzung nicht offenlegt, kann YouTube nach eigenen Angaben auf „andere Signale“ zurückgreifen, um zu entscheiden, ob ein Song KI-generiert ist. Welche Signale das sind, hat das Unternehmen nicht erklärt – vermutlich mit Absicht. Sobald eine Erkennungsmethode öffentlich bekannt ist, wird meist auch ein Weg gefunden, sie zu umgehen.

Ein Label, keine Strafe

Am aufschlussreichsten ist, was das Label nicht bewirkt. KI-Beteiligung allein schließt einen Track auf YouTube nicht von der Monetarisierung aus. Nichts in der Ankündigung deutet darauf hin, dass gekennzeichnete Tracks herabgestuft, ausgeblendet oder herausgefiltert werden.

YouTube ist außerdem selbst an dem beteiligt, was es kennzeichnet – je nach Stimmung wirkt das peinlich oder konsequent. Das Unternehmen betreibt Dream Track, ein Tool, mit dem ausgewählte Creator Soundtracks mit KI-generierten Versionen der Stimmen teilnehmender Künstler erstellen können. Eine Plattform, die Tools für KI-Musik verkauft, wird KI-Musik wohl kaum als verbotene Ware behandeln.

Wie der Rest der Branche reagiert

Streamingdienste haben sich nicht auf eine gemeinsame Antwort verständigt. Die Ansätze reichen von einer höflichen Kennzeichnung bis zum kompletten Verbot.

Plattform Berichteter Ansatz
Spotify Hat Anfang dieses Jahres ein freiwilliges KI-Label eingeführt, verfügt über einen Filter gegen Musik-Spam und erklärte, keine Songs von „KI-Personas“ zu empfehlen
Apple Music Soll Berichten zufolge ein KI-Label bekommen, beschrieben als „Mit KI erstellt“-Labels innerhalb der für später in diesem Jahr geplanten AI Transparency Tags
Deezer Kennzeichnet erkannte KI-Musik, schließt sie von algorithmischen Empfehlungen und redaktionellen Playlists aus und behält Tantiemen für betrügerische Streams ein
TIDAL Kennzeichnet Aufnahmen, die es als vollständig KI-generiert identifiziert, lässt Hörer diese deaktivieren und schließt sie von der Zuteilung von Tantiemen aus
Bandcamp Hat KI-Musik Anfang dieses Jahres vollständig verboten
YouTube Music Kennzeichnet KI-generierte und mit KI veränderte Tracks, ohne pauschale Einschränkungen

Deezer vermittelt den deutlichsten Eindruck von den Dimensionen. Im Juli meldete der Dienst, täglich fast 90.000 vollständig KI-generierte Tracks zu erhalten. Vor diesem Mengenproblem stehen alle Plattformen, und es erklärt, warum einige von der Kennzeichnung zum Ausschluss übergegangen sind.

Wo sich die Berichte unterscheiden

Zwei Details werden in der Berichterstattung unterschiedlich dargestellt. Beide betreffen Wettbewerber, nicht YouTube selbst.

Zu Deezer heißt es in einem Bericht, der Dienst habe bereits einen Schalter eingeführt, mit dem Nutzer KI-Tracks herausfiltern können. Laut dem anderen arbeitet Deezer noch an einer solchen Option. Welche Darstellung stimmt, entscheidet darüber, ob Deezer TIDAL voraus ist, das Hörern bereits erlaubt, gekennzeichnete Aufnahmen zu deaktivieren, oder mit dem Dienst gleichauf liegt.

Bei Apple Music heißt es in einem Bericht, der Dienst bekomme „Berichten zufolge“ ein KI-Label – eine vorsichtige Formulierung. Der andere erklärt ohne Einschränkung, Apple plane für später in diesem Jahr „Mit KI erstellt“-Labels als Teil seiner AI Transparency Tags. So oder so ist davon noch nichts verfügbar.

Auch die reguläre YouTube-App wird leicht unterschiedlich beschrieben. Ein Bericht sagt, das Label werde dort „später“ eingeführt. Der andere sagt nur, die Labels würden „auch auf sie ausgeweitet“, ohne einen Zeitplan zu nennen. Das ist miteinander vereinbar, doch die zweite Darstellung lässt die schrittweise Einführung unerwähnt.

Was davon zu halten ist

Ein Label ist nur so gut wie der Prozess dahinter. Hier besteht dieser Prozess aus der Selbstauskunft der Partner, unterstützt durch YouTubes eigene Erkennungstools und nicht näher benannte „andere Signale“. Das ist vernünftig, zugleich hängt das System aber stark davon ab, dass Menschen, die mit KI-Musik Geld verdienen, freiwillig offenlegen, dass es sich um KI-Musik handelt.

Der eigentliche Prüfstein ist nicht das Label selbst, sondern das, was nach seinem Erscheinen passiert. Hörer können nun sehen, dass ein Track mit KI erstellt wurde. Ob sie das interessiert und ob YouTubes Empfehlungs- und Vergütungssysteme diese Tatsache als relevant behandeln, ist eine andere Frage, die die Ankündigung offenlässt.

Vorerst hat YouTube das sanfteste Werkzeug aus einem prall gefüllten Werkzeugkasten gewählt. Die Plattform sagt den Hörern, was sie hören, und überlässt ihnen die Entscheidung, ob sie sich daran stören.

Der Käse hat Löcher. Deine Infrastruktur sollte keine haben.