Die große nationale Supercomputing-Offensive ist, wie sich herausstellt, vor allem damit beschäftigt, Fernsehen in sehr kurzen Formaten zu produzieren. Einem Bericht von ChineseAll zufolge fließen etwa 55 % der von chinesischen KI-Diensten genutzten Rechenressourcen in die Produktion von Kurzdrama-Serien und KI-generierten Videoclips.
Die Zahlen
Die Verteilung ist laut Bericht unausgewogen:
| Nutzung der Rechenleistung | Anteil |
|---|---|
| Kurzdrama-Serien und KI-Videos | etwa 55 % |
| Werbeinhalte für den E-Commerce | 24 % |
| Grundlagenforschung und Technologieentwicklung | 15 % |
Addiert man die ersten beiden Zeilen, sind rund 79 % der Kapazität auf Inhalte für ein Massenpublikum ausgerichtet – oder darauf, diesem Publikum etwas zu verkaufen. Von den hervorgehobenen Anteilen bleiben für die Forschung 15 %.
Was die Rechnung ausblendet
Die drei aufgeführten Kategorien ergeben zusammen etwa 94 %. Die Zusammenfassung des Berichts sagt weder, wohin die übrigen 6 % fließen, noch, wie die Zahlen ermittelt wurden. Sie sagt auch nicht, welche Dienste berücksichtigt wurden oder welcher Zeitraum betrachtet wurde. Diese Lücken sind wichtig, denn der Anteil an der Rechenleistung ist eine schwer zu fassende Größe. Er hängt davon ab, was man überhaupt als KI-Dienst zählt.
Die Prozentangaben sollte man daher als Aussage des Berichts verstehen, nicht als geprüfte Bilanz aller GPUs im Land.
Warum das eine Debatte ausgelöst hat
Die Zahlen lösten in der Technologiebranche eine Diskussion darüber aus, wie sinnvoll die Rechenkapazität zwischen kommerziellen Aufgaben und der Entwicklung neuer Technologien aufgeteilt ist. Das ist die höfliche Umschreibung für die Frage, ob die Maschinen für das eingesetzt werden, wofür sie erklärtermaßen gebaut werden.
Die Argumente für die aktuelle Verteilung lassen sich leicht vorstellen. Videogenerierung und E-Commerce-Werbung sind Aufgaben, für die Kunden heute bezahlen. Grundlagenforschung ist eine Aufgabe, für die Kunden mit etwas Glück irgendwann bezahlen. Der Bericht selbst führt keines dieser Argumente an, und die mir vorliegenden Quellen nennen niemanden, der die Verteilung verteidigt oder kritisiert.
Die nüchterne Lesart
Was der Bericht zeigt, sofern seine Zahlen stimmen: Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung in China wird vor allem vom billigsten und schnellsten Weg vom Modell zum Umsatz getrieben. Kurzdramen und Produktwerbung sind das Ergebnis. Forschung ist der Gemeinkostenposten.
Das ist weniger ein Skandal als vielmehr ein Markt, der tut, was Märkte eben tun. Unbequem ist nur, dass dieselbe Kapazität in anderen Zusammenhängen als strategische Infrastruktur für die Zukunft der Technologie beschrieben wird. Ein paar Minuten Melodram pro Folge sind ein recht bescheidener Einsatz von Strategie.
Worauf man achten sollte
Zwei Dinge würden daraus mehr als eine Schlagzeile machen. Erstens die Methodik: Sie würde uns sagen, ob die 55 % ein gemessener Anteil oder eine grobe Schätzung sind. Zweitens die Frage, ob sich die 15 % im Laufe der Zeit verändern. Falls nicht, wird die Debatte über die Verteilung immer wieder aufflammen, und die Kurzdramen werden weiterhin sehr gut gerendert.