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Epic Games setzt bei seinem Disney-Shooter Berichten zufolge auf „KI zuerst“ – die Veröffentlichung ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben

Einem Bericht zufolge soll Epic Games bei seinem Disney-Shooter den gesamten Code von KI-Modellen schreiben und die gesamte Grafik von ihnen steuern lassen, während sich die für März 2027 geplante Veröffentlichung angesichts von Personalproblemen und langsamen Fortschritten auf unbestimmte Zeit verschiebt.

Epic Games fordert seine Entwickler Berichten zufolge auf, keinen Code mehr von Hand zu schreiben – bei einem Projekt, das ohnehin schon hinter dem Zeitplan lag. Das ist zu diesem Zeitpunkt entweder eine mutige strategische Wette oder eine sehr moderne Art, ein Problem mit dem Zeitplan zu erklären. Welche der beiden Deutungen zutrifft, sagt der Bericht nicht.

Die Geschichte stammt aus einem veröffentlichten Bericht, der sich auf nicht namentlich genannte Personen beruft, die mit dem Projekt vertraut sind. Epic wird im hier vorliegenden Material nicht zitiert. Alles Folgende ist daher als Information aus dem Bericht zu verstehen, nicht als bestätigte Tatsache.

Was der Bericht sagt

Epic, das Unternehmen hinter Unreal Engine, soll bei seiner Zusammenarbeit mit der Walt Disney Company auf eine „KI zuerst“-Entwicklungsstrategie umstellen. Bei dem Projekt handelt es sich um einen kommenden Shooter. Dem Bericht zufolge sollen KI-Modelle den gesamten Code schreiben und bei der gesamten grafischen Gestaltung die Richtung vorgeben.

Die berichteten Details sind konkret:

  • Code: In internen Nachrichten von Epic-Mitarbeitern, die die Reporter eingesehen haben, heißt es, es werde „keinen von Hand geschriebenen Code mehr“ geben.
  • Grafik: Assets sollen „mit vollständig KI-basierten Workflows generiert“ werden.
  • Modelle: Code und Grafik sollen von Modellen wie Claude von Anthropic stammen.
  • Menschen: Die Entwickler haben die Aufgabe, das zu verwalten und zu steuern, was die Modelle produzieren.

Die Rolle ändert sich also: vom Autor zum Aufseher. Ob es einfacher ist, einen sehr schnellen, sehr selbstsicheren Kollegen zu beaufsichtigen, als den Code selbst zu schreiben, lässt der Bericht offen.

Das Projekt dahinter

Der Shooter ist Teil einer 1,5 Milliarden US-Dollar schweren Zusammenarbeit zwischen Epic und Disney, die Anfang 2024 angekündigt wurde. Er sollte im März 2027 erscheinen und Marvel und Star Wars zum Thema haben – viel mehr lizenzierte Franchises lassen sich vernünftigerweise kaum in ein einzelnes Spiel packen.

Dieser Veröffentlichungstermin ist vom Tisch. Laut Bericht wurde das Projekt im Zuge der KI-bedingten Umstrukturierung auf unbestimmte Zeit verschoben. Außerdem heißt es, dass die Entwicklung bislang unter Personalmangel litt und langsamer als erwartet vorankam.

Die heikle Abfolge

Die Reihenfolge der Ereignisse lässt sich auf zwei Arten deuten, und der Bericht stützt keine davon eindeutig.

In der ersten Deutung hat Epic entschieden, dass KI-Werkzeuge der bessere Weg sind, das Spiel zu entwickeln, und die Verzögerung ist der Preis dafür, die Pipeline mitten im Projekt umzustellen. In der zweiten hatte das Projekt bereits zu wenig Personal und lag hinter dem Zeitplan, und „KI zuerst“ ist der Plan, mit weniger Leuten aufzuholen.

Der Bericht erwähnt den Personalmangel und das langsame Tempo zwar im Zusammenhang mit dem Kurswechsel, sagt aber nicht, was zuerst kam oder was die Ursache wofür war. Wer hier Gewissheit behauptet, stützt sich auf mehr Informationen, als veröffentlicht wurden.

Was wir nicht wissen

Die Berichterstattung lässt vieles offen, und das sollte klar benannt werden:

  • Ein neuer Veröffentlichungstermin oder auch nur ein angepeilter Zeitraum wird nicht genannt.
  • Es gibt keine Angaben dazu, wie viele Entwickler an dem Projekt arbeiten oder wie sich ihre Rollen ändern.
  • Der Bericht sagt nicht, ob dieser Ansatz über den Disney-Shooter hinaus auch für andere Arbeiten von Epic gilt.
  • Er beschreibt nicht, wie der KI-generierte Code und die KI-generierte Grafik überprüft oder getestet werden sollen.
  • Weder Epic noch Disney werden im hier verfügbaren Material zitiert.

Warum das wichtig ist

Die meisten Studios sprechen über KI als Assistenten. Dieser Bericht beschreibt etwas anderes: ein Vorzeigeprojekt eines großen Engine-Herstellers, bei dem handgeschriebener Code Berichten zufolge vollständig ausgeschlossen ist. Falls das zutrifft, wird aus einem lizenzierten Blockbuster, hinter dem eine Partnerschaft im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar steht, ein Praxistest dafür, ob von Modellen generierter Code und von ihnen generierte Grafik ein vollständiges Spiel tragen können.

Das ist ein großes Experiment für ein Projekt, das ohnehin schon im Rückstand war. Das Ergebnis wird dort sichtbar, wo Marketing nichts mehr richten kann: im fertigen Spiel, wann auch immer es erscheint.

Der Käse hat Löcher. Deine Infrastruktur sollte keine haben.