Elon Musk hat einen guten Teil des vergangenen Jahres damit verbracht, die Staatsausgaben zu kürzen. Sein aktuelles Fazit lautet: Die Staatsausgaben zu kürzen, wird nicht funktionieren. In einem Interview mit seinem Biografen Walter Isaacson sagte er, das US-Staatsschuldenproblem lasse sich nur durch KI und Roboter lösen. Der Versuch, sich aus den Schulden herauszusparen, sei aussichtslos.
Die These: Man kann sich nicht heraussparen
Den Berichten über das Interview zufolge ist Musks Position unmissverständlich. Er sagte, die Regierung werde ihr Haushaltsdefizit nicht durch Ausgabenkürzungen beseitigen. Die aus einem russischsprachigen Bericht übersetzte Aussage lautet sinngemäß: Das Staatsschuldenproblem lässt sich nur durch KI und Roboter lösen, nicht durch Sparversuche.
Das ist keine neue Position. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte er gesagt, KI und Robotik seien das Einzige, was das Schuldenproblem lösen könne. Das ist also eine Wiederholung, kein Sinneswandel.
Bemerkenswert ist, was dieses Argument enthält – und was nicht. Die Quellen nennen weder Zahlen noch einen Zeitrahmen noch einen Mechanismus dafür, wie KI und Roboter Staatsschulden tilgen würden. Die Behauptung wird als Überzeugung vorgetragen, nicht als Plan.
Wer will eigentlich kürzen?
Musks Erklärung dafür, warum Kürzungen scheitern, ist politisch, nicht rechnerisch. Seiner Darstellung nach will fast niemand an der Macht die Ausgaben wirklich senken. Das gilt für das Weiße Haus, beide Kammern des Kongresses und die Gerichte, mit seltenen Ausnahmen wie Senator Rand Paul.
Er schloss Kürzungen nicht völlig aus. Möglich seien sie, wenn Präsident Donald Trump sie zu seiner obersten Priorität mache. Doch er fügte eine Einschränkung hinzu, die jeder kennen dürfte, der schon einmal versucht hat, einen Haushalt zu kürzen: Wer Verschwendung bekämpft, macht sich Feinde.
Das DOGE-Geständnis
Der ungewöhnlichere Teil des Interviews ist die Selbsteinschätzung. Musk räumte ein, dass er sich von seiner Arbeit bei DOGE, dem von ihm geleiteten Department of Government Efficiency, zu sehr habe mitreißen lassen. Dadurch sei er zu lange von seinen eigenen Unternehmen ferngeblieben.
Dabei rechnet er konkret vor. Er hätte sich nur ein oder zwei Monate im Hintergrund halten sollen, nicht die vier, die er offiziell im Weißen Haus verbrachte. Wie er es ausdrückte, hätte er etwas früher zurückkehren und sich mit KI beschäftigen sollen.
Dahinter steckt eine stille Logik. Ein Mann, der KI für die Antwort auf das Staatsschuldenproblem hält und zugleich glaubt, bei einem Sparkurs Zeit verloren zu haben, sagt damit, dass diese Zeit besser in KI investiert gewesen wäre. Das ist eine in sich schlüssige Position, wenn auch kein besonders schmeichelhaftes Urteil über seinen eigenen Einsatz in der Regierung.
Die Fußnote des Biografen
Isaacsons Urteil hatte zwei Seiten. Er bezeichnete Musk als herausragenden Ingenieur. Zugleich sagte er, in der Politik und bei der Einschätzung von Menschen neige Musk zu sehr zu Schwarzmalerei und Verschwörungsdenken.
Das ist eine höfliche Art, zwischen dem Musk, der Dinge baut, und dem Musk, der Washington analysiert, zu unterscheiden. Die Behauptung über die Staatsschulden liegt etwas unbehaglich an der Grenze zwischen beiden.
Was davon zu halten ist
Drei Punkte sollte man auseinanderhalten:
- Das Rezept. KI und Roboter sind der einzige Weg, und Sparpolitik wird nicht funktionieren. Mit Nachdruck vorgetragen, in der Berichterstattung aber durch nichts Konkretes gestützt.
- Die Diagnose. Fast niemand an der Macht will echte Kürzungen, und wer Verschwendung aufdeckt, macht sich Feinde. Das ist eine Meinung, allerdings keine umstrittene unter Menschen, die Haushaltskonflikte verfolgt haben.
- Das Eingeständnis. DOGE hielt ihn länger von seinen Unternehmen fern, als es hätte sein sollen. Nur dieser Teil ist eine Aussage über sein eigenes Verhalten, und er lässt sich am ehesten überprüfen.
Über den Inhalt des Interviews wurde an einem Freitag berichtet; weitere Einzelheiten zum Kontext des Gesprächs liegen nicht vor. Ob Maschinen das Schuldenproblem lösen können, bleibt eine Wette mit offenem Ausgang. Dass es sich nicht von den Menschen lösen lässt, die derzeit dafür zuständig sind, ist zumindest eine Ansicht, die Musk inzwischen mit ziemlich vielen Pessimisten teilt – und zu der er nach vier Monaten eigener Versuche gelangt ist.