Ein Mobilfunkanbieter ist zu dem Schluss gekommen, dass zwischen seinen Kunden und seinen Markenhoodies nur die Mühe steht, einen davon anzuziehen. T2 testet KI-gestützte virtuelle Umkleidekabinen in seinen Filialen, und die ersten Zahlen sind bescheiden, aber nicht bedeutungslos: rund tausend erfolgreiche Anproben seit August, gefolgt von 150 Käufen.
So funktioniert die Anprobe
Der Ablauf ist kurz, und niemand muss ein Konto anlegen. Dem Bericht zufolge ist keine vorherige Registrierung erforderlich.
- Ein Kleidungsstück auswählen. Der Besucher wählt in einem virtuellen Schaufenster ein Kleidungsstück mit T2-Branding aus.
- Ein Foto machen. Die integrierte Kamera fotografiert den Kunden.
- Drei Zahlen eingeben. Geschlecht, Körpergröße und Gewicht.
- Etwa 30 Sekunden warten. Der Algorithmus ermittelt die passende Größe und zeigt, wie das Kleidungsstück an dieser Person aussehen würde.
Es gibt weder Spiegel noch Umkleidekabine, und niemand fragt, ob man vielleicht eine andere Größe anprobieren möchte. Die Größenempfehlung ist Teil des Ergebnisses. Damit übernimmt die Maschine die Arbeit eines hilfsbereiten Verkäufers – nur ohne Smalltalk.
Die Zahlen – und was sie aussagen können und was nicht
Das Pilotprojekt startete im August und läuft bis Ende 2026. Die Geräte sind in mehr als 50 T2-Filialen in ganz Russland installiert.
Die wichtigsten Kennzahlen sind rund 1.000 erfolgreiche Anproben und 150 anschließende Käufe. Überschlägig gerechnet ergibt das etwa 15 Prozent – ein beachtlicher Wert für ein Terminal, an dem die meisten nur vorbeigelaufen sind, weil sie eigentlich ein Problem mit ihrer SIM-Karte lösen wollten.
Dieses Verhältnis ist mit Vorsicht zu genießen. Aus dem Bericht geht nicht hervor, ob jeder Kauf einer einzelnen Anprobe zugeordnet werden kann, wie viele Menschen mehrere Artikel ausprobiert haben oder wie sich diese Artikel vor der Einführung der Terminals verkauft haben. Ohne Vergleichswert sind 150 Verkäufe eine Zahl, kein Urteil.
Wie es laut T2 weitergeht
Nach Abschluss des Pilotprojekts will T2 prüfen, ob es auf weitere Filialen in den Regionen ausgeweitet werden könnte, in denen das Unternehmen tätig ist. Mit anderen Worten: Die Entscheidung wird vertagt, bis die Daten vorliegen – ein vernünftiger Umgang mit einem solchen Terminal.
Das Verkaufsargument des Unternehmens ist einfach: Kunden können beurteilen, wie Kleidung an ihnen aussieht, ohne sie tatsächlich anzuziehen.
Was der Bericht offenlässt
Die Quelle ist knapp gehalten, deshalb bleiben einige naheliegende Fragen unbeantwortet:
- Technologie. Es wird nicht erwähnt, welches Modell oder welcher Anbieter hinter der virtuellen Anprobe steckt.
- Umgang mit Fotos. Der Bericht sagt nicht, ob die aufgenommenen Bilder gespeichert oder gelöscht werden.
- Genauigkeit. Es gibt keine Daten dazu, wie oft die empfohlene Größe tatsächlich gepasst hat.
- Preise und Sortiment. Der Bericht erwähnt Kleidung mit T2-Symbolen, nennt aber keine Einzelheiten zum Sortiment.
Solange diese Antworten fehlen, sollte man das Pilotprojekt eher als kleines Einzelhandelsexperiment verstehen, nicht als Urteil über die virtuelle Anprobe. Ein Telekommunikationsanbieter verkauft Merchandise, eine Kamera und ein Algorithmus ersetzen den Spiegel, und das Unternehmen will erst die Kassenbons zählen, bevor es entscheidet, ob es weitere Terminals anschafft. Das ist eine erfrischend zurückhaltende Art, KI einzusetzen.